Traum oder Trauma?

Von Sophie Strodtbeck

Leben mit einem PTBS-Hund - Fallbeispiel

Das „Dönertier“, mein ehemaliger türkischer Straßen­hund, ist vielen Wuff-Lesern noch aus zahlreichen ­Artikeln ­bekannt. Ihre Wuff-Karriere startete sie als der ­„Canis ­autisticus“, inzwischen weiß ich jedoch, dass ihre ­Symptome, die sie zum Teil ihr ganzes Hundeleben lang begleiteten, die einer Posttraumatischen Belastungs­störung ­waren. Günes – mein Dönertier – passt damit gut ins Bild vieler „geretteter“ Straßenhunde, denn entgegen der weit verbreiteten Meinung werden diese Tiere nicht durch das Leben auf der Straße – das zwar nicht immer schön und stressfrei sein mag, das diese Hunde aber von Anfang an kennen – traumatisiert, sondern oft durch das Einfangen, den Transport und das Verpflanzen in für sie gänzlich unbekannte Lebensumstände. Allerdings kann ich bei meinem Dönertier nur vermuten, was der Auslöser für die Traumatisierung war: Vermutlich spielte der Transport nach Deutschland eine wichtige Rolle. Denn das Dönertier sah auf dem Weg zum Flughafen als circa halbjähriger Hund das erste Auto ihres Lebens. Auf die erste Autofahrt folgte ein Flug, den sie dank falscher Medikamente motorisch gehemmt, aber bei klarem Bewusstsein und sich immer wieder übergebend in einem Katzenkorb verbrachte. Was für einen Kontrollverlust diese Situation für einen pubertierenden Hund bedeutet, kann sich wohl jeder Mensch, der einen Funken Empathie besitzt, vorstellen. Tatsächlich kam sie im Schockzustand hier an, eine „innere Betäubung“ war deutlich zu erkennen, eine eingeschränkte Aufmerksamkeit und Desorientierung waren weitere erste Symptome einer akuten Belastungsreaktion. Anzeichen von emotionaler (Über-) Erregung mit Depression, Angst und Verzweiflung, Überaktivität und körperlicher Unruhe, gesteigerter Anspannung, übertriebener Wachsamkeit,...

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