Dass Hunde spielen, ist unbestritten. Was ist aber echtes Spielen aus Hundesicht, und wie wichtig ist es für die Mensch-Hund-Beziehung? Um auf die eingangs gestellten Fragen Antworten zu finden, ist es sinnvoll, den Begriff »Spiel« etwas genauer zu definieren und einzugrenzen. Echtes Spielen ist nicht zielorientiert (das Spiel an sich ist die einzige Belohnung), der Spielpartner und die Art des Spiels sind frei gewählt, Regeln werden allein für das Spiel von den Spielpartnern aufgestellt und etwaige Sozialstrukturen (Rangordnung) sind außer Kraft gesetzt. Echtes Spiel – egal ob Bewegungsspiel, Objektspiel oder Sozialspiel – findet ausschließlich in einer Umgebung statt, in der sich der Hund wohl und sicher fühlt. Essenziell bei der Wahl des Spielpartners ist, dass der Hund diesem voll und ganz vertraut, denn der Hund muss sicher sein, dass er, ohne gemaßregelt zu werden, im Alltag geltende Regeln missachten darf und er auch in die Rolle des Spielleiters schlüpfen kann. Im Vordergrund stehen einzig und allein der Spaß und die Freude mit dem Spielpartner zu interagieren. Im Gegensatz dazu stehen jegliche Arten von Lern-, Erziehungs-, Apportier- oder Jagdspielen, die auch als Pseudospiele bezeichnet werden (siehe Buchtipp). Diese Spiele haben ein definiertes Ziel und die Art des Spiels sowie die Spielregeln werden hauptsächlich vom Menschen vorgegeben. Der Hund soll – welche auch immer – gestellte Anforderungen erfüllen, erhält dafür eine Belohnung (Leckerli, Lob, …) und hat kein bis wenig Mitspracherecht. Jegliches Spiel, bei dem der Mensch Art, Dauer und Regeln vorgibt, ist also kein echtes Spielen, sondern mehr Beschäftigung für/mit...
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Martina Bartl
Martina Bartl ist erfahrene Hunde- und Pferdehalterin und seit rund 15 Jahren Journalistin. Sie hat sich auf die Fachgebiete Pferde & Reiten und auf Hunde spezialisiert.
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