Was steckt dahinter?
Immer wieder kommt es zu Streit zwischen Landwirten und Hundehaltern, die ihre Hunde auf landwirtschaftlichen Nutzflächen laufen lassen. Der Grund dafür liegt in der Sorge der Landwirte, über abgesetzten Hundekot könnten bestimmte Parasiten auf die Felder und damit in das Grünfutter des Kuhbestandes gelangen, die Ursache seien für vermehrte Fehl- oder Totgeburten.
Es gibt in der Tat einen protozoären Parasiten – Neospora Caninum –, der zu Kälberabortus führt. Dieser Parasit kann auch über den Kot infizierter Hunde, die als Endwirte gelten, übertragen werden. Nach aktuellen wissenschaftlichen Studien können Hunde sich allerdings nur dadurch infizieren, dass sie Nachgeburten, Abortmaterial oder Gebärmutterausfluss bereits infizierter Kühe aufnehmen. Es liegt auf der Hand, dass es sich bei infizierten Hunden allenfalls um die eigenen Hofhunde des Landwirtes handeln kann, die mit entsprechendem Material gefüttert wurden oder auf sonstigem Wege damit in Kontakt kamen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hund, der nicht auf einem Hof mit Rinderwirtschaft gehalten wird, sich mit Neospora Caninum infiziert, tendiert gegen null. Im Übrigen können die weltweit publizierten Fälle, in denen bei einem infizierten Hund Neospora Caninum im Kot nachgewiesen wurde, quasi an einer Hand abgezählt werden. Der Neosporose-Experte Prof. Bruno Gottstein, Direktor des Instituts für Parasitologie der Universität Bern, weist ergänzend darauf hin, dass die Übertragung von Neospora Caninum in mehr als 90% der Fälle „endogen transplazentar", also über die Plazenta des Muttertieres auf den Kälberfötus, vonstatten gehe, dass also dem Hund als Überträger nur eine untergeordnete Bedeutung zukomme. Dennoch: ein Restrisiko bleibt. Landwirten...