Um die Rückkehr des Wolfes in unseren Breiten hat sich in den vergangenen Jahren eine heftige Diskussion entwickelt – von den Stammtischen bis in die Wissenschaft hinein. Der Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal vermisst in seinem neuen Buch »Der Wolf und wir« diese neue Beziehungssituation sehr genau. Dabei stellt er klar, wie uns das Comeback des Wolfes den eigenen verqueren Blick auf das Leben und die Umwelt vor Augen führt – wenn wir das denn sehen wollen. Vor allem der alpenländische Umgang mit der Rückkehr der vielfach ebenso geschätzten wie gefürchteten Tiere lässt den Mitbegründer des Wolfsforschungszentrums (Wolf Science Center, WSC) im niederösterreichischen Ernstbrunn merklich zweifeln. Das lässt der international renommierte Biologe und Wolfsexperte gleich an mehreren Stellen deutlich durchblicken. Während in nördlicheren Gefilden Deutschlands seit rund 20 Jahren das Comeback mehr oder weniger unbehelligt, EU-regelkonform und erstaunlich friktionsarm vor sich geht, ist das Bild im Süden Deutschlands sowie in nahezu ganz Österreich und Südtirol komplett anders. Dies zu ergründen kostet Kotrschal auf mehr als 200 Buchseiten auch mehr als nur einen Anlauf, was stellenweise dazu führt, dass dem Leser einige Argumentationslinien bald geläufig werden. Tatsächlich konnte sich der Wolf abseits Bayerns, Österreichs und Südtirols nahezu mühelos wieder festsetzen – erstmals seit rund 150 Jahren. Dass dem hierzulande anders ist, ist bei Weitem nicht nur »Verwechslungen« mit streunenden Haushunden durch Vertreter der Jägerschaft geschuldet. Wie sehr das Hintanhalten System hat, treibt Kotrschal merklich die Zornesröte ins Gesicht. Wölfische Gesellschaftskritik Und wie könnte es bei dem Autor, der sich 2019 in »Mensch«...
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