Aggression zwischen Hunden kann sich auf viele Arten äußern. Vielleicht haben Sie auch schon mal den Satz gehört: „Der ist nur an der Leine so“, oder vielleicht wurde Ihr Hund tragischerweise gebissen, als er zu einem angeleinten Hund Kontakt aufnehmen wollte, „der eigentlich lieb aussah". Situationen wie im Vorspann beschrieben sind in Städten keine Seltenheit. Als Hundetrainerinnen mit wissenschaftlichem Hintergrund untersuchen wir im Rahmen einer Promotion bei dem Verhaltensbiologen Dr. Udo Gansloßer das Thema „unfreundliche Hundebegegnungen“. Dabei ist für uns besonders interessant: 1. Warum reagieren manche Hunde ausschließlich an der Leine aggressiv auf andere Hunde? Diese Untersuchungsgruppe wurde als leinenaggressive Hunde definiert. 2. Warum lassen sich einige Hunde (wenn auch nach einigen Trainingseinheiten) gut an der Leine führen, aber reagieren dennoch aggressiv auf andere Hunde, wenn es zum Kontakt kommt? Diese Hunde bezeichnen wir als „Raufer“. Weitergehend wird bei der Gruppe der Raufer auch untersucht werden, warum sich einige Hunde gut (re)sozialisieren lassen, andere hingegen große Schwierigkeiten haben, nicht immer wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurück zu fallen. Mit Hilfe verschiedener Verhaltenstests (Videoanalyse) und zwei Persönlichkeitsfragebögen wurden die ersten 40 Raufer und Leinenaggressiven nun ausgewertet und mit einer verträglichen Kontrollgruppe von ebenfalls 40 Hunden verglichen. Die verwendeten Fragebögen wurden an der Eötvös Loránd University, Budapest und an der Lincoln Universität (UK) entwickelt und geben einerseits Aufschluss über die Persönlichkeitsachsen Gelassenheit (emotionale Stabilität), Extraversion (Extrovertiertheit), Offenheit und Geselligkeit (siehe Info-Box 1) der Hunde, sowie über deren Impulsivität (siehe Info-Box 2). Dabei zeichnen sich deutliche Unterschiede zwischen Raufern und leinenaggressiven Hunden, aber...

Sandra Schoeneich und Anna Ostrowska
Sandra Schöneich,1980 in Berlin geboren, ist Biologin und Inhaberin der Hundeschule Hundehafen in Berlin. Besonders faszinieren sie die Intelligenz und Freundschaft unserer Haushunde. Durch ihre ehemalige Pflegehündin Kessie, die nun seit 11 Jahren bei ihr lebt, beschäftigte sie sich immer mehr mit dem Thema der innerartlichen Aggression, wirbt für mehr Toleranz und Rücksicht für Hunde, die nicht alle anderen mögen oder einfach ein bisschen mehr Zeit zum Kennenlernen benötigen. Beim Training ist ihr wichtig, dass sich niemand aufgrund der Unverträglichkeit seines Hundes ausgeschlossen fühlt. So setzt sie viel auf Desensibilisierung durch Leinenspaziergänge und übt Trainingssituationen mit dosierter Frustration, die eine gut zu verstehende, aber faire Führung durch den Besitzer erfordern. www.hundehafen.de Anna Ostrowska, Jahrgang 1984, studierte Erziehungswissenschaften. Nach dem Masterabschluss absolvierte sie zusätzlich eine Ausbildung zur Hundetrainerin. Seit Kindertagen mit Hunden zusammenlebend, konnte sie ihr Interesse an Hunden gut mit ihrem pädagogischen Fachwissen verbinden. 2012 gründete sie die Hundeschule „Hundekompass“ in Berlin. Leinenaggressive Hunde und sehr impulsive Hunde begegnen ihr immer wieder in ihrer praktischen Arbeit, sodass diese Verhaltensproblematik ihr Steckenpferd und ebenfalls zum Studienobjekt ihrer Promotion wurde. www.hundekompass.com